 |
|
Vom Fohlenhof zum ASV-Sportzentrum 1953 - 2003
Ähnlich wie im übrigen Land entwickelte sich Fußball nach dem Zweiten Weltkrieg
auch in Neumarkt zur Sportart Nummer 1. Selbst in den 1972 eingemeindeten Orten Woffenbach, Pölling, Wolfstein und Stauf wurde eifrig gespielt. Zu diesem Zweck gründeten die Anhänger des Fußballsports dort eigene Vereine. Aber nicht nur in Sportvereinen, auch in anderen Vereinen wurde Fußball gespielt, so z.B. dem Neumarkter Gesellschaftsclub oder beim der Liederkranz. Daneben gab es Fußballmannschaften in den meisten Neumarkter Schulen (Lehrer- und Schülermannschaften an den Gymnasien, Realschulen, Hauptschulen etc.), in Betrieben (z.B. Pfl eiderer, Kabelwerke Reinshagen, Klebl) und bei Behörden (z.B. Postamt, Landratsamt). All diese Mannschaften und ihre Aktivitäten hier zu schildern, würde den Umfang dieser Festschrift sprengen. Da den Fußballvereinen außerhalb des ASV eigene Kapitel gewidmet sind, steht hier die Entwicklung beim ASV 1860 Neumarkt i. d. OPf. im Mittelpunkt der kursorischen Betrachtungen. Die wichtigen Spiele werden in einem gesonderten Kapitel eingehend beschrieben, so dass sie hier nur kurz gestreift werden.
Die ASV-Fußballer stiegen 1951 in die A-Klasse ab. Erst im Mai 1953 glückte die
Rückkehr in die Bezirksliga. Nach dem Spiel mit Behringersdorf herrschte zunächst
Punktegleichheit. Doch dann brachte das Spiel in Nürnberg-Mögeldorf die Entscheidung: das Tor von Hans Federl in der 82. Minute machte den Wiederaufstieg möglich. Stolz präsentierten sich die Spieler und Funktionäre vor einem Transparent mit der Aufschrift: „Da hilft kein Kitt, da hilft kein Kleister, ASV ist trotzdem Meister“.
Zu Beginn der 1960er Jahre wurde in Deutschland der Fußballsport neu geordnet.
Die Einführung der Bundesliga brachte auch eine Neuordnung der Amateur-Spitzenklassen mit sich. 1963 gelang den ASV-Fußballern der Aufstieg in die Landesliga Mitte, sie konnten sich dort ein Jahr halten, bevor man in die Bezirksliga Nord abstieg. In den folgenden Jahren kam man aber nicht so recht von der Stelle. |
 |
|
 |
 |
| Kurz vor entscheidenden Tor: Alois Wegele kickt den Ball zu Hans Federle, der ihn mit einem geschickten Bruststoß in Tor beförderte |
|
 |
ASV 1963 Aufstiegsmannschaft:
stehend v.l.n.r. Gregor Reischböck, Herber Graf, Willy Frömmer, Ingo Gürtler, Mathias Meier, Hans Peter, Josep (Sepp) Müller, Trainer Herbert Laube, Dieter Deß, Willi Reim, Walter Aumeier, Kurt Meier, Valentin Fritsch, Hans Schmidt
kniend v.l.n.r. Karl Kraus, Hans Achhammer, Erich Serz, Helmut Dannhorn, Rudi Waldrich, Martin Matz, Hans Riedel, Adolf Schreyer |
 |
|
 |
|
Anton Maurer übernahm 1967 die ASV-Fußballabteilung. Unter ihm wurden entscheidende Weichenstellungen vorgenommen. Mit der Verpflichtung von Gustl Flachenecker als Trainer leitete der ASV 1967 den Aufstieg seiner Fußballer bis in die Bayernliga ein. Man hatte den neuen Fußballtrainer von der SpVgg Fürth nach Neumarkt geholt. Flachenecker war dort nicht recht heimisch geworden. Ein stetiger Aufstieg begann. In der Saison 1968/69 gelang der Wiederaufstieg in die Landesliga. Spiele wie das gegen den TSV Röthenbach/P. und Laufamholz blieben allen Spielern und Zuschauern unvergessen. Auch die Saison 1969/70 brachte Spiele, an die man sich heute noch erinnert, so das „tote Rennen“ gegen den FC Herzogenaurach. In bisher noch nicht da gewesenem Maß nahmen die Neumarkter Anteil am Aufstieg ihrer Mannschaft. Illustre Gäste tummelten sich nicht am Tummelplatz, sondern auf dem Fohlenhof, der in jenen Jahren zum Zentrum des Neumarkter Fußballsports wurde. Sein Name wurde zum Synonym für den Neumarkter Fußballsport an sich, „zum Fohlenhof gehen“ hieß ein Fußballspiel ansehen. Dort waren 1969 der FC Bayern mit allen prominenten Spielern und später der Hamburger SV zu Gast. Durch den Aufstieg der Fußballmannschaft wurde dieser Sportplatz auch über die Region hinaus bekannt. |
 |
|
 |
|
 |
ASV 1971 „Bayern-Liga-Mannschaft“:
stehend v.l.n.r. Karl Distler (Geschäftsführer), Adolf Schreier (Spielleiter), Herbert Graf (Spielführer und Libero), Karlheinz Lindner (Torwart), Hans Tratz (Verteidiger), Bernhard Karg (Läufer), Ernst Münch (Stürmer), Georg Laube (Verteidiger), Hans Achhammer (Läufer), Gustl Flachenecker (Stürmer), Gerd Schaluschke (Stürmer), Anton (Uli) Maurer (Abteilungsleiter), Ernst Reischböck (Stellvertreter), Günter Oberhoff (Stellv. Spielleiter);
kniend v.l.n.r. Vitus Rupp (Mannschaftsmasseur), Helmut Hampl (Stürmer), Franz Walk, Hans Münch, Jonas Kovacs |
 |
|
 |
|
Die 1970er Jahre waren unbestritten die „goldenen Jahre“ des Neumarkter Fußballsports. 1971 war es dann soweit: die Bayernliga war erreicht. Überhaupt war dieses Jahr ein so erfolgreiches, wie man es bis dahin noch nie gehabt hatte; von 57 Spielen konnten 37 gewonnen werden, sieben blieben unentschieden und nur dreizehn wurden verloren. In den 35 Punkt-. neun Pokal- und dreizehn Privatspielen wurde ein Gesamt-Torverhältnis von 183:95 erreicht. Mit 34 Spielern waren dafür sozusagen drei Spielergarnituren aufgeboten. Der Spieler Helmut Hampl war bei 56 der Spiele dabei, Torwart Karl Lindner 55mal, Herbert Graf und Bernhard Karg 52mal. „Schützenkönige“ waren Bayernliga-Torjäger Hubert Schöll mit 39 Toren, gefolgt von Helmut Hampl (27), Hans Münch (26), Gerd Schaluschke (17), Bernhard Karg (11), Franz Matschiner (11), Janos Kovacs (9), Ernst Münch (7), Hans Härteis (7), Herbert Graf (4) und Dieter Stettner (4). Von der amtierenden Mannschaft waren Rekordspieler: Herbert Graf (423 Spiele), Bernhard Karg (170), Ernst Münch (158), Gustl Flachenecker (128) und Helmut Hampl (123). Auch die ASV-Reserve gewann von 31 ausgetragenen Spielen 22, spielte sechsmal unentschieden und verlor nur drei Spiele. Das Torverhältnis betrug 102:52 in 24 Punkt- und sieben Privatspielen. |
 |
|
 |
 |
| Zuschauer am Fohlenhof 1970 - Der Magnet Fußball zeigt seine Anziehungskraft |
|
 |
 |
 |
| Straubinger Spieler gratuliert Herbert Graf |
|
 |
Auch die Zahlen der Fans, die 1971 zu den Spielen kamen, legen von der Begeisterung Zeugnis ab, die der Aufstieg und Erfolg der Neumarkter Mannschaften mit sich brachte. Auf dem ersten Rang der Saisonneulinge lag der ASV 1860 Neumarkt, der mit 42450 Zuschauern den ersten Platz belegte. Von ihnen kamen 22.700 aus Neumarkt und 19.250 von auswärts. Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass seit Ende August die Fans des ASV auch ihre Autos mit den Farben des Vereins schmücken konnten; erstmals wurden für diesen Zweck Aufkleber mit dem Vereinswappen hergestellt.
1971 war insofern auch ein besonderes Jahr für den Neumarkter Fußballsport, als sich erstmals eine Damenfußballmannschaft zusammenfand. 14 junge Frauen aus der Stadt und der näheren Umgebung trainierten seit Januar regelmäßig.
In der ersten Jahreshälfte 1973 gab es einen kurzfristigen Abstieg der 1. Mannschaft, doch kehrte man in der Ära Reisch sofort wieder in die Bayernliga zurück. Der Trainer Steff Reisch begann am 30. Juni 1973 und blieb in dieser Funktion exakt vier Jahre beim ASV, als er am 30. Juni 1977 feierlich verabschiedet wurde. Das Jahr 1974 brachte den Umzug vom Fohlenhof in das neue ASV Sportzentrum. Bereits gegen Ende der 1960er entsprach die Sportanlage und das Sportheim am Fohlenhof nicht mehr den aktuellen Anforderungen. Helmut Eder, 2. Vorsitzender des ASV, entwickelte das Konzept für ein neues größeres Sportzentrum an der Gießereistraße, das er nach vielen Verhandlungen in die Tat umsetzen konnte. Die notwendigen finanziellen Mittel gewann man durch den Verkauf des Fohlenhof-Sportplatzes an die Stadt Neumarkt. Am 16. Juli 1969 wurde von den Sportfunktionären des ASV und den drei Bürgermeistern der Stadt beschlossen, die seit dem 10. März 1953 im Besitz des ASV befi ndlichen Grundstücke und Gebäude (Sportplatz Plannummer 1260 1/11b mit 2,198 ha und Gebäude Plannummer 1260 1/11a) für 1,2 Millionen DM an die Stadt Neumarkt zu verkaufen.
|
 |
|
 |
Die erste Damenfußballmannschaft im Januar 1971:
stehend v.l.n.r. Trainer Hubert Schöll, Hanni Betz (Pölling), Waltraud Gimpl, Roswitha Mohr, Emmi Stich, Ursula Frauenknecht, Ingrid Brandl, Beate Frenzl; kniend Irmgard Herteis (Heng), Regina Schmid (Rittershof), Angelika Fritsch (Holzheim), Resi Koller oder Ingrid Freisleben, Christa Feihl (Leutenbach), Franziska Moser oder Christine Mederer, Anneliese Niebler (Oberwiesenacker) |
 |
|
 |
 |
| Feinarbeiten am neuen Sportplatz links Herrmann Fink (2), Christian Triltsch (3), Heinz Rahnsch (4), Hans Mösl (1) |
|
 |
1971 wurde mit den Bauarbeiten begonnen. Viele legten Hand an beim Bau des
neuen Sportzentrums, ganz besonders verdient machten sich der Erste Vorsitzende des Vereins Hans Mösl, Sportarchivar Josef Plank und Anton Dess, die fast 10.000 Arbeitsstunden investierten. Letzterem war es nicht mehr vergönnt, die Früchte ihres aufopferungsvollen Einsatzes zu sehen.
Am 30. November 1974 konnte das neue ASV Sportzentrum mit einem festlichen
Rahmenprogramm eröffnet werden. An diesem Tag wurden für ihre besonderen Verdienste um das neue Sportzentrum nicht nur Hans-Walter Behringer, Richard Dehn, Anton Dess und Max Bögl zu Ehrenmitgliedern des ASV ernannt, Hans Mösl erhielt die Verdienstplakette des Bayerischen Landessportverbandes und - von Oberbürgermeister Kurt Romstöck - das Bundesverdienstkreuz überreicht.
Der würdige Rahmen für die weitere Entwicklung des Fußballsports war geschaffen. Große Spiele fanden hier nun vor entsprechender Kulisse statt, so z.B. gegen den FC Amberg, die Würzburger Meistermannschaften von FV 04 und Kickers und die Spielgegner aus dem Raum Erlangen-Herzogenaurach. Bis 1982 blieb der Verein in der Bayernliga, dann folgte eine lange Durststrecke in der Bezirksliga. 1990 spielten beim ASV zwölf Mannschaften: die erste Mannschaft mit einer Reservemannschaft, die Alten Herren, eine Damen- und acht Jugendmannschaften. Drei Jahre später waren es noch elf Mannschaften, die auf fünf Plätzen trainieren konnten; zwei Jugendmannschaften waren weggefallen.
Im Mai 2000 gelang es den Fußballern des ASV, unter ihrem neuen Trainer Günter
Güttler, wieder in die Bayernliga aufzusteigen. Seit 2001 spielen sie wieder in der Landesliga, derzeit unter Trainer Andreas Speer. |
 |
|
 |
ASV Geschäftsstelle - Deininger Weg 78 - 92318 Neumarkt/OPf. - Telefon: 09181 / 406900 (nur Mi/Fr, 17-19 Uhr) |
|