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Am Anfang war der Fußball?
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Wie keiner anderen Sportart ist es dem Fußball im 20. Jahrhundert gelungen, sich zum populärsten Massensport und -spektakel rund um den ganzen Globus zu entwickeln. Ein bedeutender Anteil an dieser Erfolgsgeschichte ist der Berichterstattung in den Medien und insbesondere dem Fernsehen zu verdanken, dessen Übertragungen von Welt-, Europameisterschafts- oder UEFA-Pokalspielen am Bildschirm von einem Millionenpuklikum verfolgt werden. |
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| Im Sommer 1970 war die Mannschaft des ASV zu Gast in Tunesien, wo Spiele mit tunesischen Mannschaften stattfanden (hier in Tabarka). |
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Keine andere Mannschaftssportart vermag eine derartige Faszination auf ihre Fans auszuüben, deren Identifikation mit ihrem Verein in Form von randalierenden Hooligangruppen manchmal geradezu beängstigende Formen annehmen kann. Welchen Stellenwert dieser Sport inzwischen erreicht hat, verdeutlichen vor allem hochkarätige Begegnungen wie etwa das Weltmeisterschaftsfinale Brasilien gegen Deutschland 2002, als die ganze Fernsehnation mit ihren Spielern mitfieberte, so dass man selbst auf den notorischen Staustrecken der Autobahnen neue Geschwindigkeitsrekorde hätte aufstellen können. Fußball, der als wichtigste Nebensache der Welt bezeichnet wird, scheint aber weit mehr als nur ein Spiel zu sein, was sich bitter 1969 in einem Qualifi kationsspiel für die Weltmeisterschaft zwischen Honduras und El Salvador bewahrheitete, als dieses Sportereignis nach einem lange schwelenden Konflikt zwischen beiden Ländern einen Krieg auslöste.
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Unbestritten ist aber auch, dass Fußball inzwischen einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor darstellt, allein für die als Gradmesser der Publikumsgunst aussagekräftigen Senderechte im Fernsehen wurden für die Bundesliga Beträge in dreistelliger Millionenhöhe, für die Weltmeisterschaft sogar Milliarden investiert. Auch die Summen, die für Profispielergehälter und –transfers aufgebracht wurden, erreichten astronomische Höhen, so dass es kaum verwundert, wenn so mancher Junge aus den Armenvierteln Südamerikas davon träumt, wie seine großen Vorbilder Maradona oder Ronaldo als Fußballspieler entdeckt zu werden.
Die Wertschätzung, die man heute diesem Sport entgegenbringt, wurde dem Fußball jedoch nicht zu allen Zeiten zuteil – so erscheint etwa in Shakespeares King Lear der Ausdruck „you base football player“ als Schimpfwort. Die Kunst, einen Ball mit den Füßen zu spielen, scheint den Menschen schon früh begeistert zu haben. Die ältesten Zeugnisse stammen wohl aus China aus dem 3. Jahrtausend v. Chr., aber auch die alten Ägypter und Kelten sollen schon mit dem Ball gekickt haben. Genauer fassbar wird eine Vorform des Sports aber erst im Mittelalter, als seit dem 12. Jahrhundert Quellen aus Nordfrankreich, der Bretagne, der Normandie und England häufiger über derartige, wohl eher dem heutigen Rugby vergleichbare Wettkämpfe berichten, an denen ganze Ortschaften teilnahmen.
Zweifelsohne besaß das Spiel damals noch kein so ausgefeiltes Regelwerk wie heute und wurde oftmals mit solcher Härte gespielt, dass beim Versuch in den Besitz des Balles zu gelangen, Verletzungen an der Tagesordnung waren. Selbst Todesfälle verzeichnen die Überlieferungen, wie etwa im Jahre 1137, als ein Jugendlicher beim Soule, dem französischen Vorläufer des Fußballs, sein Leben verlor. Dennoch schien sich Fußball als Freizeitvergnügen großer Beliebtheit erfreut zu haben. |
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| ASV Schlachtenbummler 1979 Spiel gegen die Bayern München Amateure |
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Als aber in England im 14. Jahrhundert, später auch in Schottland und Frankreich, sich in der Folge von Fußballspielen Tumulte entwickelten, sah sich die Obrigkeit vielfach gezwungen, Spielverbote zu verhängen – zumal die Männer in Kriegszeiten sich oftmals lieber beim Fußball amüsierten anstatt die Fertigkeiten des Bogenschießens zu üben.
Über heute vielzitierte Bonmots über Fußball, wie etwa „Der Ball ist rund“ oder „Ein Spiel dauert 90 Minuten“ hätte ein Spieler des Mittelalters wohl nur verständnislos den Kopf geschüttelt. Bälle aus lederumhüllten Tierblasen hatten keineswegs die Form eines perfekten Runds, Wettkämpfe fanden auf Plätzen, zum Teil sogar Kirchhöfen statt und einen derartig fixierten zeitlichen Rahmen kannte man auch nicht. Erste Bestrebungen, Fußball mit Hilfe von Grundregeln in geordnete Bahnen zu lenken, gab es im späten 15. und frühen 16. Jahrhundert in Florenz, wo sich die Medici des „Calcio“ annahmen und diesen zu einem Spiel der Aristokratie aufwerteten.
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Auf einem Platz inmitten der Stadt traten zwei Mannschaften aus jeweils 27 Mitspielern gegeneinander an, die – in farblich voneinander abgesetzter Kleidung – versuchten, den Ball rollend, stoßend oder tragend über des Gegners Grundlinie zu befördern, ihn zu werfen hingegen war ausdrücklich verboten. Auch die Aufgaben innerhalb einer Mannschaft waren genau defi niert, so gab es Stürmer, Zerstörer, Läufer und Verteidiger, angeführt von einem dem heutigen Mannschaftskapitän vergleichbaren „Maestro del Campo“. Über den ordnungsgemäßen Ablauf des Spielgeschehens wachten Schiedsrichter.
Die Zuschauer, die nur mit Eintrittskarten an der Veranstaltung teilhaben konnten, zeigten ihre Sympathien durch eigene Hymnen und das Tragen ihrer Mannschaftsfarben. Zu dem von einem prächtigen Zeremoniell mit Fahnenschwenkern und Aufmärschen umrahmten Spiel wurden auch Speisen und Getränke gereicht – zu besonderen Anlässen verwöhnte man das Publikum mit Spezialitäten. Wie sehr sich die Medici für den „Calcio“, der sich zu einem Mittel der Repräsentation des Fürstenhauses gewandelt hatte, begeistern konnten, bewies Papst Leo X aus dem Hause Medici, der 1521 im Vatikan eine Begegnung zweier Mannschaften aus Florenz arrangierte.
Während in Florenz das letzte Calcio-Spiel 1739 ausgetragen wurde, blieben die
Regeln des englischen Football zunächst noch sehr vage. Aus Sorge um Moral und
Gesundheit mehrten sich in England allerdings Stimmen, die dem einst so beliebten Volkssport am liebsten ein Ende bereitet hätten. Tatsächlich büßte der Fußball auch im Laufe der Jahre viel von seiner Popularität ein und verdankt letztlich seine Renaissance den Public Schools, wo man diese Sportart als Schulsport pfl egte. Anfang des 19. Jahrhunderts wurden in diesen Bildungseinrichtungen für Adlige und wohlhabende Bürgersöhne Ballspiele neugestaltet, um Disziplin und Loyalität der Schüler zu fördern.
Da die verschiedenen Public Schools diese zunächst internen Wettkämpfe auch untereinander auszutragen wünschten, ergab sich die Notwendigkeit zur Vereinheitlichung des Spiels mittels der Aufstellung von Regeln. Während eine Spielweise, die auch das Tragen des Balles mit den Händen einschloss, zur Entstehung des Rugby führte, formierten sich die Gegner, die dies kategorisch ablehnten, 1863 in London zur Football Association, die als verbindliches Regelwerk die 1848 gedruckten und später überarbeiteten „Cambridgeregeln“ übernahm. Die zunächst in diesen elitären Kreisen praktizierte Variante des Fußballs verbreitete sich schnell auch in anderen Gesellschaftsschichten, und die ersten Fußballclubs wurden gegründet. Die Vorreiterrolle hatte bereits 1855 der FC Sheffi eld übernommen, doch gewann die Entwicklung bald an Dynamik: 1871 gehörten der Football Association lediglich 50 Clubs an, 1888 waren es etwa 1.000 und 1905 bereits mehr als 10.000.
In Deutschland konnte sich der Fußballsport nur zögernd etablieren. Zurückzuführen war dies auf den starken Einfl uss der maßgeblichen Turnbewegung, die 1811 von„Turnvater“ Jahn als Reaktion auf die französische Fremdherrschaft zur körperlichen Ertüchtigung der deutschen Jugend initiiert worden war und politisch motiviert den Fußball als „Englische Krankheit“ verurteilte. Dennoch bildeten sich auch hierzulande zur Freizeitgestaltung Sportvereine nach englischem Vorbild. Die Mitglieder rekrutierten sich zunächst aus technischen und kaufmännischen Berufen, aber auch Gymnasien und Universitäten – so war 1874 von Prof. Konrad Koch in Braunschweig der erste deutsche Schüler-Fußballverein gegründet worden. Dessen Bemühungen, bereits 1886 mittels eines Aufrufes die Bildung eines deutschen Fußball-Bundes anzuregen, fanden allerdings noch keinen Zuspruch. |
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| 23. Juli 1977: Anstoss Schwester Vianette |
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Nach der Gründung eines „Bundes deutscher Fußballspieler“ 1890 und des „Deutschen Fußball- und Kricket-Bundes“ 1891 entstanden zunächst regionale Verbände – der DFB wurde schließlich erst am 28. Januar 1900 anlässlich des 1. Allgemeinen Deutschen Fußballtages in Leipzig ins Leben gerufen. Noch im selben Jahr, als Fußball erstmals zur olympischen Disziplin erkoren wurde, beschloss man, an den Olympischen Spielen teilzunehmen. Bei der ersten vom DFB organisierten Deutschen Fußballmeisterschaft 1903 ging der VfB Leipzig
siegreich aus dem Endspiel mit dem DFC Prag hervor. Vom Können der deutschen Spieler im internationalen Vergleich legten allerdings die um die Jahrhundertwende ausgetragenen Länderspiele mit englischen Mannschaften ein beredtes Zeugnis ab:
mit 2:13, 2:10, 0:7, 0:12 und 0:10 hatte man stets Niederlagen einstecken müssen. Der Weltdachverband, die Fédération Internationale de Football Association (FIFA), mit Sitz in Zürich entstand bereits 1904.
Fußball wurde aber nicht nur in eigens zu diesem Zweck gegründeten Vereinen gespielt, sondern etablierte sich auch als Betriebssport und fand sogar Eingang ins Militär als Bestandteil der Ausbildung in Offiziersvorbereitungsanstalten. Der Erste Weltkrieg hingegen erwies sich für den nationalen und internationalen Sport als schwerer Rückschlag – allein 85 Prozent der 200.000 Mitglieder des DFB befanden sich 1915 an der Front, so dass der Spielbetrieb nahezu zum Erliegen kam.
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Stattdessen wurde – trotz der erbitterten Kämpfe – in den beiden letzten Kriegsjahren an der Front Fußball gespielt. Berichten zufolge sollen sogar am ersten Weihnachtsfeiertag 1914 die Engländer bei Neuve Chapelle die Deutschen um einen 48stündigen Waffenstillstand gebeten haben, damit sie sich ungestört dem Fußballspiel widmen konnten. Nach Kriegsende begann auch in Deutschland der unaufhaltsame Siegeszug des Fußballs. So verzeichnete der DFB einen Anstieg von 190.000 Mitgliedern 1914 auf 750.000 im Jahre 1921. Während der Weimarer Republik entstanden insbesondere im Ruhrgebiet große Stadien, wie etwa die „Kampfbahn Rote "Erde“ in Dortmund, die es einer großen Anzahl von Fans erst ermöglichten, unmittelbar am Geschick ihrer Mannschaft teilzuhaben. Als prekär hatte sich indes der Erste Weltkrieg auf das internationale Renommée des deutschen Fußballs ausgewirkt, da die FIFA geneigt war, gegenüber der Nationalmannschaft Boykotte zu verhängen. Dennoch gelang es, mit einem Zuschuss des Auslandsreferates der Reichsregierung ein Länderspiel in der Schweiz zu realisieren, das die Gastgeber mit 4:1 für sich entscheiden konnten. |
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| ASV-Torhüter Seitz in Aktion |
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Auch nach dem Zweiten Weltkrieg hielt die beispiellose Karriere des Fußballs in Deutschland an. Neun Jahre nach der bedingungslosen Kapitulation löste der Sieg des deutschen Nationalteams 1954 im Weltmeisterschaftsfinale gegen Ungarn in Bern eine Masseneuphorie aus. Der anfangs als Außenseiter gesetzten Mannschaft war es gelungen, einer ganzen Nation zu neuem Selbstwertgefühl auf internationalem Parkett zu verhelfen und durch den erstmaligen Gewinn einer Weltmeisterschaft der wachsenden Fußballbegeisterung neue Impulse zu geben.
In den folgenden Jahren erwirkte der DFB bei der Ermittlung des Deutschen Meisterschaftstitels eine gravierende Änderung: Das bis zu diesem Zeitpunkt praktizierte Pokalsystem mit Halbfi nale und Endspiel wurde in der Spielsaison 1963/64 abgelöst durch die Schaffung der Bundesliga; das Maximalgehalt eines Spielers wurde auf DM 1.200 inklusive Prämien festgelegt. Die Rahmenbedingungen für die Akteure mögen sich im Laufe der Jahre gewandelt
haben, doch ist der Zuspruch des Publikums stetig gewachsen. Auch heute vermag
Fußball eine rätselhafte Faszination auf die Menschen auszuüben, die der Philosoph unter den Bundestrainern Sepp Herberger folgendermaßen erklärte: „Warum gehe die Leut zum Fußball? Weil se net wisse, wie's ausgeht.“
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